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Ist die Angst um die Stromlücke in Deutschland berechtigt?
Dienstag, den 13. Oktober 2009 um 15:49 Uhr
Strom, Stromversorgung, Stromlücke

Die Deutsche Energieagentur (dena) und das Umweltbundesamt vertreten verschiedene Standpunkte über die Probleme der deutschen Stromversorgung – denn ob der Mythos der Stromlücke eintritt ist fraglich.

Woher kommt der Strom von morgen?

Foto: BMU / H.-G. Oed
Autor: STS

Am Morgen nach der Bundestagswahl bekam die zukünftige Regierung Post vom Umweltbundesamt (UBA) aus Dessau, in der für beide Koalitions-Parteien eher unbequeme Ratschläge niedergeschrieben wurden. Hauptansatzpunkt des Schreibens des UBA ist: weitestgehende Fortführung der Energiepolitik der alten Bundesregierung durch die neue schwarz-gelbe Koalition. Und zusätzlicher Verzicht auf den Bau neuer Kohlekraftwerke. Auch auf die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken soll verzichtet werden, um massive Überkapazitäten auf dem nationalen Strommarkt zu vermeiden.
Dabei steht im Bundestagswahl-Programm 2009 der FDP, dass die deutschen AKW eine Laufzeitverlängerung erhalten sollen, wenn auch nur als "Übergangsphase". Die Textpassage ist sehr vage formuliert und mit dem Ausdruck "sichere Kernkraftwerke" versehen. Die Diskussion um die "sichere" Entsorgung des Atommülls scheint an den Liberalen vorbei gegangen zu sein (Link-Tipp: Atommülllager Asse).

Die angebliche Gefahr einer Stromunterversorgung in Deutschland wird von den Autoren des UBA Schreibens als "Phantom" oder auch "Mythos" bezeichnet. Sie sagten, man könne auf den Bau neuer Kohlekraftwerke verzichten und dazu, wie ursprünglich geplant, auch noch die Kernreaktoren abschalten. Die Regierung solle sich eher auf die erneuerbaren Energien und das Stromsparen konzentrieren, heißt es weiter in der Mitteilung. "Und selbst wenn diese Ziele nicht erreicht werden, gibt es in Deutschland genügend Kraftwerks-Kapazität", sagte Klaus Müschen vom UBA.
Eine Analyse im Auftrag der dena allerdings warnte bereits 2008, dass Deutschland eine Stromlücke droht, weil es zu wenige neue Kraftwerke in Deutschland gäbe. Die Meinungen der beiden Institutionen UBA und dena liegen scheinbar weit auseinander.

Die dena will die älteren Kohlekraftwerke mit einem hohen Ausstoß an Treibhausgasen schnell ersetzen und setzt sich deshalb für die Verlängerung der AKW-Laufzeiten ein. Und das obwohl sich die Deutsche Energieagentur sonst für erneuerbare Energien einsetzt. Dem gegenüber ist das Umweltbundesamt in dieser Hinsicht anderer Meinung – abschalten alter Kohlekraftwerke ja, Laufzeitverlängerung nein. Die wegfallenden Kapazitäten könnten aus den regenerativen Energiequllen gedeckt werden. Ulrich Wagner, Professor für Energiewirtschaft an der technischen Universität München vertritt den Plan der dena. Er sagte: "Wir bekommen zwar nicht von heute auf morgen einen Versorgungsengpass, doch es wurde inzwischen der Bau von sieben großen Kraftwerken gestoppt, und damit verschenken wir mindestens die Möglichkeit, Strom effizienter zu erzeugen".

Die Antwort auf die Frage, ob die erneuerbaren Energien in Zukunft genug Strom liefern, ist abzuwarten. Doch man sollte den Aspekt der Sicherheit der nationalen Stromversorgung sicher nicht nur unter dem Begriff der "Produktionseffiziens" betrachten. Für die Umwelt wäre der Lösungsansatz des Umweltbundesamtes eine große Unterstützung. Denn nicht nur weiterer Atommüll würde für die zukünftigen Generationen vermieden, sondern auch die Luft würde mit weniger Treibhausgasen belastet.

 
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